Für den Einstieg wählen wir ein einfaches Modell aus der Geschichte.
Warum gibt es heute den alten Streit nicht mehr ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel ist? Man muss kein Physiker sein, um das aufgrund von physikalischen Experimenten und Gesetzen bestimmen zu können, ein Blick auf die Aufnahmen von Satelliten zeigt, was die Erde wirklich ist. Indem man sich von der Erde (Subjektsicht) weg in die Umlaufbahn (vielfache Subjektsicht, Meta-Ebene) begibt, beginnt man die Dinge anders zu sehen. Nach Kenntnis dieser vielfachen Subjektsicht erscheinen die verschiedenen Subjektsichten , hier Scheibe oder Kugel in einem anderen Licht.
Subjektsicht -> vielfache Subjektsicht -> Subjektsicht
Weg vom Modell lässt sich festhalten, dass es sinnvoll ist, sich nicht nur mit der eigenen subjektiven Sicht zu beschäftigen, sondern auch mit den subjektiven Sichten anderer. Jede weitere subjektive Sicht bringt einem der objektiven Sicht ein Stückchen näher. Letztlich nimmt man wieder eine subjektive Sicht ein, aber meist eine andere als vor den Sprüngen Richtung objektive Sicht.
Für weitere Ausführungen werden wir eine Stufe konkreter und beziehen uns auf den Bereich der geistigen Weiterentwicklung, dem Lernen.
Verschiedene Subjektsichten beim Lernen in und außerhalb der Schule
Einerseits Unzufriedenheit bzw das lebenslange Trauma des In-der-Schule-sein-Müssens,das sich zusammensetzt aus Verletzungen, Erniedrigungen, Gebrochenheiten, Halbheiten, Komplizenschaften, Blamagen, kleinen Triumphen, permanenten Entdeckungsängsten, Lügen, Täuschungen, Gemeinheiten, Unordnung, Überdruß.
Aber andererseits Zufriedenheit durch unversehens aufscheinende Solidarität, plötzliche Erkenntnisse, überraschend humane Qualität von Begegnungen.
Andere Subjektsichten führen zur vielfachen Subjektsicht beim Lernen in und außerhalb der Schule
Begibt man sich aus der Sicht der Schüler, Eltern und Lehrer raus (im Modell zur Sicht der Satelliten) in die Sicht der Machtelite, so wird klar, dass die nachwachsenden Sklaven nur lernen sollen, die ihnen zugedachten Arbeiten möglichst effizient zu erledigen. Und dass sie nichts lernen sollen, was sie von dieser effizienten Arbeit abhalten soll.
Wenn jemand will, dass ein anderer nur Inhalt A, aber auf keinen Fall Inhalt B lernt, dann muss man den Lernenden einsperren, modellhaft "einkreisen". Jede falsche Bewegung bzw. ungewünschte Inhalte müssen dann kontrolliert und gegebenenfalls bestraft werden.
Begibt man sich jetzt wieder in die Sicht der Schüler, Eltern und Lehrer (im Modell runter auf die Erde), sieht man Lernmöglichkeiten und besonders Lernbehinderungen. Jetzt ist klar, warum der Prof. der Psychologie Holzkamp vom "Eingekreist-Sein" der Schüler spricht.
Den äußersten Kreis stellt die gesetzliche und faktische Schulpflicht dar. Der nächste innere Kreis wird durch Ordnungsmaßnahmen gebildet. Es folgt der innerste Kreis : permanente Aufsicht, Zeitdisziplin, Zwang zu räumlicher und mentaler Anwesenheit, Homogenisierung bzw Isolierung, vergleichsorientierte Bewertung.
Dem Schüler muß diese Einkreisung nicht bewußt werden, jedoch stößt er auf Maßnahmen, wenn seine Handlungsintentionen mit denen der Schule - vor allem Bewertung - in Konflikt geraten.
Es gibt praktisch keine Lebensäußerung der Schüler, die der Lehrer nicht bewertet, d.h. Bewertungstotalität. Dies reicht von offiziellen Anlässen wie Klassenarbeiten und Zeugnissen zu averbalen Kundgaben der Zustimmung oder Ablehnung. Dabei ist der Schüler legitimer Gegenstand der Bewertung durch den Lehrer, aber nicht umgekehrt. Diese Bewertung hat aber nicht nur Auswirkungen als Rückmeldung für Lernprozesse, sondern auch auf das Selbstwertgefühl der Schüler.
Was fängt man jetzt mit dieser Erkenntnis an? Was ist zu tun?
Anwendung der Erkenntnis auf wissenschaftlicher Schüler-Ebene
Hier weisen wir auf unser pädagogisches Konzept für Schulen hin.
Schüler, die nach kurzer Einführung in die subjektwissenschaftlichen Forschungsmethoden ihr eigenes Lernen erforschen.
Was ist die subjektwissenschaftliche Forschungsmethode?
Nicht der Professor oder Lehrer stellt die Thesen über das Lernen der Schüler auf. Z.B. in der Form "Die meisten Schüler lernen nach Muster A, ein weiterer Teil nach Muster B oder C, der Rest nach unbekannten Mustern". Sondern die Schüler stellen die Thesen selbst auf. In der Form "Ich lerne nach Muster A oder B oder C oder XY."
Wie kann dabei der Wissenschaftlichkeitscharakter (Wissenschaftskriterien) erhalten bleiben?
+ Der Lernende soll Voraussagen formulieren, die er und andere durch ein Experiment bestätigen oder widerlegen (Falsifizierbarkeit) können. Das bedeutet Empirische Überprüfbarkeit oder Logischer Positivismus.
+ Zu vermeiden sind dabei Aussagen, die sich selbst widersprechen (innere Konsistenz) oder sich selbst als Voraussetzung beziehen (Zirkelfreiheit). Die hier genannten Kriterien der subjektwissenschaftlichen Forschungsmethode sind der erste Teil der zu bestimmenden Axiome.
+ Der Wert der Aussage misst sich am Forschungsinteresse der forschenden Subjekte. Was den Lernenden wichtig ist, sie also für sich selbst noch nicht geklärt haben, hat einen Wert für die Forschung. In erster Linie wird allgemein die eigene Weiterentwicklung von Wert sein.
+ Der Lern- bzw. Forschungsinhalt wird von den Lernenden nach Beratung mit anderen Lernenden und Beratern frei gewählt. Dieses Forschungsinteresse reduziert auch Probleme hinsichtlich der Validität (Gültigkeit). Es gibt keine künstlichen Versuchsanordnungen (Affen im Käfig), die eben nicht das tatsächlich messen, was sie zu messen vorgeben.
+ Nach dem Selbstexperiment kann die Voraussage bestätigt werden oder nicht. +
Im Forschungsbereich eigene Weiterentwicklung kann man selbst das Experiment meist nicht wiederholen, da sich die eigene Lage und Ziele geändert haben. Die eigene Weiterentwicklung
schränkt die aus dem natürwissenschaftlichen Forschungsbereich bekannte
Reliabilität (Zuverlässigkeit) notwendigerweise ein. Weiterentwicklung bedeutet Veränderung der Bedingungen.
+ Die UNgleichheit der Menschen schränkt die aus dem natürwissenschaftlichen Forschungsbereich bekannte intersubjektive Überprüfbarkeit notwendigerweise ein.
Ungleiche Menschen bedeutet ungleiche Bedingungen. Fallarbeit. Andere können das Experiment wiederholen, die hinsichtlich ihrer Anlagen, Erfahrungen und Ziele den Voraussetzungen des Experiments entsprechen. Z.B. werden Tiere das Experiment kaum wiederholen können.
+ Nehmen mehrere Personen an einem Experiment teil und bei manchen bestätigt sich die Voraussage und bei anderen nicht (innere Konsistenz), so muss die Voraussage abgeändert bzw. differenziert werden. Einerseits in der Beschreibung der Personen, andererseits in den möglichen Voraussagen.
Anwendung der Erkenntnis auf politischer Ebene (Schule, Schulämter, Landtage)
Alles tun, um die Freiheit wieder zu erlangen, auch die für die Machtelite unangenehmen Inhalte lernen zu dürfen. Und dazu ist es nötig, dass Schule und Medien (Fernsehtipps) wieder von der Machtelite unzensiert Lerninhalte zur Verfügung stellen.
Das ist ein Teilthema von Buch 01.
Anwendung der Erkenntnis auf Schülerebene (Schulklasse)
Hier weisen wir nochmal auf unser pädagogisches Konzept für Schulen hin.
Die Erkenntnisse der Organisationsentwicklung helfen uns weiter.
1. Theorie
Erschaffen und Verinnerlichen von mehreren Begriffen für die Weiterentwicklung des Lernenden selbst.
Kenntnisse und Sensibilität für die Anzeichen und Kriterien der Weiterentwicklung der Gruppe von Lernenden (sozialer Wandel). Die Theorie.
2. Praxis
Schaffen und Nutzen von Lern-Gelegenheiten in der Gruppe. Das Einüben von Diagnose- und Handlungsfähigkeiten. Die Praxis zur Theorie.
3. Details
+
Verbessertes Verhalten soll sich von einzelnen kleineren Gruppen auch auf die anderen Gruppen ausweiten . Dazu ist es wichtig, die entsprechenden Fähigkeiten auch an andere Gruppen als Multiplikator bzw. Trainer weitergeben zu können.
+ Durch das möglichst detailierte Feedback möglichst vieler andere gewinnt jedes Mitglied die vielfache subjektive Sicht bzw. genaues Bild von sich selbst in seiner Beziehung zu den anderen und zu der Gruppe als Ganzes.
+ Kenntnis, Verständnis und Anwenden demokratischer Werte in allen Gruppen, damit freie Forschungsarbeit eher möglich ist.
Literatur für Sozialwissenschaftler :
+ Holzkamp, Klaus : Grundlegung der Psychologie - Frankfurt/Main ; Campus Verlag, 1983.
+ Holzkamp, Klaus : Lernen ; subjektwissenschaftliche Grundlegung - Frankfurt/Main ; Campus Verlag, 1993.
+ Ludwig, J : Subjektperspektiven in neueren Lernbegriffen
+ Ludwig, J : Lernende verstehen + be- online : "Bildung und Lernen online". Gewerkschaftsnah.
Kommentar : Lieber die Zensur von Gewerkschaftsbossen als von Konzernvorständen.
Das Projekt be-online ist seit dem 31.12.2004 beendet, warum nur? Zu kritisch für die Machtelite?
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